Eine Führungskraft hört in einer Besprechung zu, vorn unscharf zwei Gesprächspartner

Wenn gute Führung nicht die erwartete Wirkung erzieltDer Kontext entscheidet mit.

Tabea BratzelLeadershipLesezeit 4 Minuten

Wenn Führung nicht die erwartete Wirkung erzielt, liegt der Blick schnell auf der Führungskraft. Doch nicht jedes Führungsproblem lässt sich bei der Person selbst lösen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Person, Rolle und Organisation.

Wenn Führung nicht die erwartete Wirkung erzielt, richtet sich der Blick schnell auf die Person. Muss die Führungskraft klarer priorisieren, Konflikte früher ansprechen oder konsequenter entscheiden? Gleiche Symptome – unterschiedliche Ursachen

Zu wenig Tempo, zu viele Abstimmungsschleifen, fehlende Verbindlichkeit: Solche Symptome sehen ähnlich aus, können aber sehr unterschiedliche Ursachen haben. Genau deshalb lohnt es sich, nicht vorschnell dieselbe Antwort zu geben.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur: Was muss die Führungskraft verändern? Sondern ebenso:

Der Blick auf die Person

Die erste Perspektive richtet sich auf die Führungskraft selbst. Hier geht es um Kompetenzen, Erfahrungen, Motive und typische Verhaltensmuster.

Kann die Führungskraft priorisieren und entscheiden? Spricht sie Konflikte klar an? Überträgt sie Verantwortung? Kann sie unterschiedliche Interessen ausbalancieren?

Der Blick auf die Person ist wichtig. Er sollte nur nicht vorschnell der einzige sein.

Die Rolle als Wirkfaktor

Die zweite Perspektive betrifft die Rolle.

Was genau wird von der Führungskraft erwartet? Welche Verantwortung trägt sie tatsächlich? Welche Entscheidungen darf sie selbst treffen? Wo liegen ihre Grenzen?

Gerade hier entstehen in der Praxis häufig Widersprüche. Eine Führungskraft soll entscheiden, muss aber ständig rückversichern. Sie soll Verantwortung übernehmen, bekommt aber keine klaren Prioritäten. Sie soll bereichsübergreifend handeln, wird aber fast ausschließlich an den Ergebnissen des eigenen Bereichs gemessen.

Solche Widersprüche bleiben selten ohne Wirkung auf Führung.

Wenn die Organisation Führung erschwert

Die dritte Perspektive richtet sich auf die Bedingungen, unter denen Führung stattfindet.

Wie klar sind Ziele und Prioritäten? Wie werden bereichsübergreifende Entscheidungen getroffen? Was passiert, wenn Interessen kollidieren? Welche Routinen unterstützen Zusammenarbeit – und welche erzeugen zusätzliche Schleifen?

Gerade in technologie- und wissensintensiven Unternehmen entstehen viele Spannungen nicht innerhalb eines Bereichs, sondern an den Schnittstellen: zwischen Vertrieb und Entwicklung, Produktmanagement und Technik oder zwischen zentralen Funktionen und operativen Einheiten.

Wenn dort Entscheidungen unklar bleiben, wird aus einem organisatorischen Problem schnell ein vermeintliches Führungsproblem.

Erst verstehen, dann Maßnahmen wählen

In Unternehmen wird verständlicherweise oft schnell über Lösungen gesprochen. Braucht die Führungskraft Coaching? Soll sie an einem Entwicklungsprogramm teilnehmen? Braucht das Führungsteam einen Workshop? Müssen Rollen oder Prozesse neu geklärt werden?

Die entscheidende Frage liegt einen Schritt davor: Was beobachten wir konkret – und wodurch entsteht es?

Erst wenn die wesentlichen Einflussfaktoren verstanden sind, lässt sich gezielt entscheiden, wo angesetzt werden sollte: bei der Person, in der Rolle, in der Zusammenarbeit oder an mehreren Stellen gleichzeitig.

Genau diese Unterscheidung schützt davor, Maßnahmen zu wählen, die plausibel erscheinen, aber am eigentlichen Problem vorbeigehen. Ein Coaching hilft wenig, wenn das zentrale Thema ungeklärte Verantwortlichkeiten sind. Eine Rollenklärung reicht nicht, wenn eine Führungskraft Konflikte konsequent vermeidet. Und ein Teamworkshop verändert wenig, wenn zentrale Zielkonflikte im Unternehmen ungelöst bleiben.

Der praktische Nutzen liegt darin, präziser zu erkennen, was tatsächlich verändert werden muss.

Führung wirkt im Zusammenspiel

Diese Sicht bildet den Kern des BRATZEL Leadership Models. Es betrachtet Führungswirksamkeit aus drei Perspektiven: Person, Rolle und Organisation.

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Nicht jede Führungssituation braucht eine große Analyse. Aber gerade dort, wo Wirkung ausbleibt, lohnt es sich, vorschnelle Erklärungen zu vermeiden.

Fazit

Manchmal braucht eine Führungskraft persönliche Entwicklung. Manchmal braucht sie einen klareren Auftrag und mehr Entscheidungsspielraum. Manchmal muss ein Führungsteam Prioritäten, Verantwortlichkeiten und Zusammenarbeit neu klären.

Wer Führungswirksamkeit verbessern will, sollte deshalb nicht vorschnell mit einer Maßnahme beginnen, sondern zuerst klären, wo der eigentliche Hebel liegt.

Tabea Bratzel

Inhaberin von BRATZEL Leadership Advisory. Sie berät Unternehmen bei der Auswahl von Führungskräften, bei Rollenwechseln und in der Zusammenarbeit von Führungsteams.

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